brustkrebs-muenchen e.V.
Interview

Interview mit Frau Professor Sylvia Heywang-Köhbrunner* (SHK) zur Mammografie und anderen bildgebenden Verfahren in der Vorsorge und Diagnostik von Brustkrebs.

Das Interview führte Frau Renate Haidinger.


1. Was genau ist eine Mammografie?

SHK: Die Mammographie ist eine Röntgenuntersuchung der Brust. Wenn man regelmäßige qualitätsgesicherte Mammographien durchführt (bevor irgendwelche Beschwerden oder ein Tastbefund vorliegt), gelingt es, Brustkrebs deutlich früher zu erkennen als dies mit der Tastuntersuchung möglich ist. So beträgt die mittlere Tumorgröße eines mit Mammographie entdeckten Brustkrebs inzwischen bei nurmehr 10 bis 12 mm, während die mittlere Größe des ertasteten Brustkrebs über 2 cm liegt. Allerdings muss man auch wissen, dass einzelne Brustkrebserkrankungen der Mammographie entgehen können. Deshalb sollte - auch bei unauffälliger Mammographie - einem Tastbefund nachgegangen werden bis man sicher ist, dass kein Brustkrebs vorliegt.

2. Die Mammografie ist bei vielen Frauen immer noch umstritten. Für wen ist sie sinnvoll und ab welchem Alter sollte sie in welchen Abständen durchgeführt werden?

SHK: Die richtig eingesetzte und qualitätsgesicherte Mammographie ist die derzeit einzige anerkannte und effektive Früherkennungsmethode. Sie kann (wie z.B. in den USA) alle 1-2 Jahre sinnvoll ab dem 40. Lebensjahr angwandt werden. Die Screeningmammographie wird in Deutschland in Zukunft ab dem 50. Lj angeboten werden, da hier der Nutzen am größten ist (die meisten Brustkrebserkrankungen treten nach dem 50. Lj auf). Besteht ein unklarer Tastbefund, sollte die Mammographie ab 40 immer als Abklärungsmethode eingesetzt werden. Sie kann sehr gut ergänzt werden durch die Sonographie. Für Frauen vor dem 40. Lebensjahr, die kein erhöhtes Brustkrebsrisiko haben, gibt es derzeit keine geeignete Früherkennungsmethode. Bei Frauen mit familiärer Brustkrebsbelastung sollte die Früherkennungsmammographie jährlich und ab dem 40. Lj erwogen werden. Frauen mit sehr starker familiärer Belastung sollten zu geeigneten Zentren (mit Spezialisierung für genetische Brustkrebserkrankungen, siehe Homepage der Dt. Krebshilfe) gehen. Dort wird eine individuell abgestimmte Früherkennung - je nach individuellem Risiko empfohlen, bzw. durchgeführt. Untersuchungen für junge Frauen mit hohem Risiko können neben Mammographie (die auch vor dem 40. Lj durchzuführen ist), Sonographie und MR-Tomographie beinhalten.


3. Wie schaut es mit der so oft zitierten Strahlenbelastung aus und kann eine Mammografie Brustkrebs auslösen?

SHK: Die Strahlenbelastung ab dem 50. Lebensjahr ist zu vernachlässigen. Für regelmäßiges Screening übersteigt der Nutzen das Risiko um Größenordnungen. Auch zwischen dem 40. und 50. Lj überwiegt der Nutzen (Das Todes-Risiko einer Mammographie liegt unter dem Todesrisiko, wenn man 3 Zigaetten raucht). Unter dem 40. Lj ist der Nutzen der regelmäßigen Mammographie bei symptomlosen Frauen nicht gesichert. Bei diesen Frauen ist das Drüsengewebe strahlensensibler, die Treffsicherheit der Mammographie ist geringer und der Brustkrebs ist auch deutlich seltener als nach dem 40. bis 50. Lj. Besteht jedoch ein Tastbefund, sollte nach dem 30. Lj auf die Mammographie keineswegs verzichtet werden (es sei denn eine schlüssige Klärung gelingt bereits mit Sonographie).

4. Welches sind die Qualitätsmerkmale für eine gute Mammografie?

SHK: Die Qualitätsmerkmale für eine gute Mammographie sind
a) richtige Belichtung
b) Darstellung des Drüsengewebes bis zur Brustwand
c) ausreichend gute Kompression (Drücken der Brust: hierdurch wird gesundes Gewebe zur Seite gedrängt, Brustkrebs wird als Verdichtung wesentlich besser erkennbar, feinste Verkalkungen werden schärfer abgebildet, und die notwendige Strahlendosis kann verringert werden).


5. Welche Vorsorgeuntersuchungen sind bei jüngeren Frauen sinnvoll?

SHK: Bei jüngeren Frauen (< 40) ohne familiäres Risiko wird die Selbstuntersuchung und (bei Unklarheiten die Tastuntersuchung durch den Gynäkologen) empfohlen. Weitere Untersuchungen werden nicht empfohlen, da sie gerade bei jüngeren Frauen zu häufig zu falschem Alarm und damit unnötigen Operationen führen. Besteht ein Verdacht, so sind aber - je nach Alter und Befundtyp - gezielter Ultraschall, ggf. Mammographie und Punktion sinnvoll.


6. Sollten Frauen mit familiärer Belastung zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen?

SHK: Bei familiärer Beslastung sollten Vorsorgeuntersuchungen (ebensfalls qualitätsgesichert häufiger) durch geführt werden. (Diese Untersuchung ist und war immer schon eine Kassenleistung). Als Faustregel sagt man, die Mammographie sollte 5 Jahre früher durchgeführt werden als bei den jüngsten an Mammakarzinom erkrankten Verwandten. Nur bei sehr hohem familiären Brustkrebsrisiko sollte auch die MR-Tomographie eingesetzt werden (im Rahmen von Studien!).


7. Reicht auch ein Ultraschall, um sicher sein zu können, dass kein Brustkrebs vorliegt?

SHK: Ultraschall allein reicht nicht , um Brustkrebs auszuschließen. Leider werden auch viele Frühformen mit Ultraschall gar nicht dargestellt. Deshalb kann Ultraschall die Mammographie keinesfalls ersetzen.


8. Wenn bei der Mammografie oder einem Ultraschall eine verdächtige Veränderung gefunden wird, was gibt es für weitere Methoden der Abklärung?

SHK: Wenn mit Mammographie oder Ultraschall eine verdächtige Veränderung festgestellt wird, sollte in der Regel eine Gewebsuntersuchung folgen. Nur sie kann ausreichende Klarheit bringen. Sie ist inzwischen minimal invasiv , d.h. schonend über spezielle Nadelbiopsiesysteme (Stanzbiopsie, Vakuumbiopsie) möglich. Diese minimal-invasive Untersuchung muß aber, da die Diagnose nur anhand von wenig Gewebe gestellt wird, von sehr erfahrenen Teams durchgeführt werden. Diese Form der Abklärung ermöglicht es, in vielen Fällen auf eine Operation und spätere Vernarbungen zu verzichten. Wird ein bösartiger Befund bereits mit Nadelbiopsie gesichtert, kann auch eine wesentlich bessere OP-Planung erfolgen.


9. Was ist grundsätzlich der Unterschied zwischen Mammografie, Ultraschall, MRT, PET, CT, usw?

SHK: Die genannten Methoden bilden physikalisch unterschiedliche Gewebseigenschaften ab. Die Mammographie stellt die sog. Röngtendichte des Gewebes ab, die Sonographie die Ultraschall-Reflexivität, MRT wird mit einem Kontrastmittel durchgeführt, das intravenös gegeben wird. Anreicherungsmuster korrelieren mit der Wachstumsintensität und -geschwindigkeit der Zellen im untersuchten Gewebe.. Da aber häufiger falscher Alarm geschlagen wird und die Methode auch teurer ist, sollte die Methode nur bei geeigneten Fragestellungen eingesetzt werden. Computertomographie ist nur zu seltenen Problemlösungen für die Brustdiagnostik nötig. PET stellt direkt die Wachstumsaktivität von Gewebe dar (z.B. Zuckerverbrauch). PET ist aber sehr teuer, es ist auch mit einer 2-3 höheren Strahlenbelastung als die Mammographie und einer deutlichen Dosis für den gesamten Körper verbunden. Es kann sinnvoll eingesetzt werden. wenn aufgrund von Metastasen ein Erst(Primär)tumor gesucht wird.

 

Frau Professor Heywang-Köhbrunner, herzlichen Dank für das Interview.


*Frau Professor Heywang-Köhbrunner ist Professorin und Stellvertreterin des Klinikdirektors für Diagnostische Radiologie an der Martin-Luther-Universität Halle. Medizinstudium, Promotion und Facharztausbildung absolvierte sie an der Ludwig-Maximilian-Universität München. Seit 1985 arbeitete und publizierte sie auf verschiedenen Gebieten der Diagnostischen Radiologie, wie Computertomographie, Magnetresonanztomographie, Angiographie und Intervention. Ihr Spezialgebiet, für das ihr hohe internationale Anerkennung zuteil wurde, ist die Früherkennung und Diagnose von Brustkrebs bis hin zu minimal invasiven Verfahren und deren Weiterentwicklung für Brustkrebsdiagnose und eventuell auch Therapie. 1996 führte Frau Prof. Heywang-Köhbrunner die Vakuumbisopsie der Brust in Europa.
Inzwischen gibt es ca. 200 wissenschaftliche Veröffentlichungen von Frau Prof. Heywang-Köhbrunner, sowie das durch sie publizierte Buch über Kontrastmittel-MRT der Brust und das Buch "Bildgebende Mammadiagnostik".

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